Vom Versuch einen Kontinent zu endecken
Willkommen im Dschungel - Willkommen in einer Großstadt in Südamerika - Willkommen in Maracaibo
andre.jahn | 27. Oktober 12 | Topic 'Venezuela'


Ganz im Sinne Axel Roses (Sänger von „GUNS’N ROSES für alle Unwissenden) habe ich meine erste Woche auf einem neuen Kontinent nicht zwischen Lianen und Brüllaffen gefristet, sondern an der karibischen Küste im beschaulichen zweitgrößten Ballungsgebiet Venezuelas – dem Land wo Benzin billiger ist als Wasser - , dem nah an der kolumbianischen Grenze gelegenen Maracaibo. Mit einer Durchschnittstemperatur von etwa 32°C übers ganze Jahr – wir reden hier also nicht von Tagesspitzensätzen – ein wirklich lauschiges Plätzchen und selbst für Venezuelanische Verhältnisse „warm“. Von September bis November – also jetzt – ist Regenzeit, was zur Folge hat das man mehrmals täglich spektakuläre, aber nie lange andauernde Karibikgewitter zu sehen bekommt. Wie ich heute gelesen habe scheint sich über der Karibik im Moment wohl ein ziemlich heftiger Sturm namens „Sandy“ zusammenzubrauen der den USA wohl etwas Sorge bereitet. Ich darf aber beruhigen, hier ist nur wenig davon zu spüren. Ich hatte während meines Aufenthaltes hier bereits Zeit die Stadt ein wenig zu erforschen: große Kirchen und Gebäude im Kolonialstil, eine Altstadt wie aus Buena Vista Social Club gestohlen und der größte (und wohl zugleich schmutzigste) See Südamerikas – auf dem mal eben ein paar duzend Öltanker kreuzen – alles vor der Haustür.





Obwohl zugegeben, nicht ganz vor der Haustür…denn mal kurz zum Shopping ins Stadtzentrum oder zum joggen in den Park – nicht das ich Joggen würde – alles nicht ganz so einfach zu realisieren. Hauptproblem: eine hohe Kriminalitätsrate und geringe Sicherheit, vor allen Dingen in der Nacht. Nach Einbruch der Dunkelheit bewegt sich kaum ein Bewohner auch nur einige Blocks ohne einen fahrbaren Untersatz von seinem Zuhause weg, die Chance Opfer eines Überfalls zu werden ist einfach zu hoch. Die desolate Sicherheitslage hier spiegelt sich nahezu überall wieder, vor allen Dingen aber in der Architektur der Gebäude: kaum ein Haus ohne meterhohe, zackenbewehrte Mauern oder Elektrozäune, kaum ein Fenster ohne Gitterverschlag, kaum eine Tür mit weniger als drei Schlössern.



Nach Sonnenaufgang kann man sich aber auch als Bleichgesicht relativ sicher durch die Stadt bewegen, besonders zu empfehlen ist dabei der öffentliche Nahverkehr. Dieser besteht nämlich zum größten Teil aus alten, notdürftig aber mit viel Liebe zusammengeflickten amerikanischen Oldtimern, den sogenannten „carritos“. Für umgerechnet wenige Cent steigt man an einer beliebigen Hauptstraße zu – oder nutzt eine extra für die carritos eingerichtete Haltestelle – erkundigt sich ob der Fahrer so in etwa in die Richtung fährt wo man hin möchte und schon kann es los gehen.





Der Verkehr in dieser folgt kaum erkenntlichen Regeln: 1.Vorfahrt hat vor allen Dingen wer darauf besteht oder seine Hupe am energischsten einsetzt. 2. Ampeln dienen vor allen Dingen nachts eher der Straßenbeleuchtung, haben aber auch tagsüber nur in Ausnahmefällen Bedeutung. 3. Solange „es“ fahren kann, ist es ein Fahrzeug.



Ich könnte jetzt noch unglaublich viel berichten: vom Essen und Trinken, den Geckos in meinem Schlafzimmer, Leguanen auf dem Fenstersims, einem Besuch des Venezuelanischen Staatsorchesters, von Benzinschmuggel oder dem Nachtleben im Allgemeinen, mach ich aber nicht. Denn erstens haben die meisten von euch sowieso schon vor zwei Absätzen aufgehört zu lesen, und zweitens brauch ich ja auch noch ein paar gute Geschichten wenn ich zurück komme. Außerdem muss ich packen!

Denn heute Abend breche ich meine Zelte in Maracaibo ab und begebe mich mit dem Übernachtbus in den Süden des Landes an die Grenze zum Amazonas! Dort treffe ich mich mit Gerd, einem deutschen Auswanderer mit dem eine Tour in den Dschungel zum Salto Ángel ansteht, dem höchsten Wasserfall der Welt.

Schließen möchte ich mit einem Foto, das die Stimmung in meinem Gastland ziemlich gut auf den Punkt bringt.



Bis bald und passt auf euch auf!

Kommentieren




irgendwoimnirgendwo, Samstag, 27. Oktober 2012, 1:50 AM
Hey, ist echt beeindruckent und interessant zu lesen!:)
Wenn ich älter bin, will ich auch mal in den Jungel und sowiso die Welt sehen!
Grüßle
und pass du auch auf dich auf!^^
Kommentieren